Kayla war am Ende ihrer Kräfte — emotional erschöpft, körperlich ausgelaugt und im sechsten Monat schwanger.
Alles, was sie wollte, war die Ruhe ihres eigenen Bettes nach dem schmerzhaften Abschied von ihrer geliebten Großmutter — der Frau, die immer ihr Fels in der Brandung gewesen war.
Während sie ihren Koffer schloss, stand ihre Mutter in der Tür und blickte sie besorgt an.
— „Bist du sicher, dass du heute schon gehen willst?“, fragte sie leise.
— „Du könntest noch ein paar Tage bleiben und alles in Ruhe verarbeiten.“
— „Ich wünschte, ich könnte… aber ich muss zurück. Colin ist ohne mich aufgeschmissen, und die Arbeit wartet auch nicht“, antwortete Kayla.
Ihre Mutter nickte traurig.
— „Verstehe. Dein Vater und ich bleiben noch ein paar Tage hier, um Großmutters Sachen zu ordnen. Ich hätte mir so gewünscht, dass sie dein Baby noch kennengelernt hätte.“
Kayla legte die Hand auf ihren Bauch und schluckte schwer.
— „Ich auch. Mehr als alles andere.“
Im Flugzeug atmete Kayla erleichtert auf, als eine freundliche Flugbegleiterin ihr half, das Handgepäck zu verstauen. Die Frau neben ihr stöhnte genervt:
— „Ugh. Ich hasse fliegen. Autofahren auch. Ich hätte einfach zu Hause bleiben sollen.“
Kayla lächelte müde.
— „Ganz meine Meinung.“
Doch irgendetwas stimmte nicht.
Sie spürte eine seltsame Anspannung in der Luft. Als sie die Augen öffnete und leicht zur Seite blickte, blieb ihr fast das Herz stehen. Ein Mann einige Reihen weiter starrte sie unverwandt an — nicht neugierig, sondern intensiv und beunruhigend. Kayla wandte schnell den Blick ab, versuchte es sich auszureden, aber das ungute Gefühl blieb.
Etwa zehn Minuten nach dem Start kam eine Flugbegleiterin mit ernster Miene auf sie zu.
— „Entschuldigen Sie, gnädige Frau. Würden Sie mir bitte folgen?“
Verwirrt löste Kayla den Gurt und folgte ihr in einen ruhigen Bereich nahe der Bordtoilette.
— „Auf die Knie. Sofort.“
Kayla war sprachlos.
— „Was? Warum? Was soll das?“
— „JETZT“, wiederholte die Frau kühl.
Plötzlich näherte sich der Mann, der sie zuvor angestarrt hatte. Seine Stimme war ruhig, aber bestimmt:
— „Wo ist die goldene Halskette, die Sie gestohlen haben?“
Kayla erstarrte.
— „Was?! Ich weiß nicht, wovon Sie reden! Ich komme gerade von der Beerdigung meiner Großmutter!“
Er zog Fotos und Unterlagen hervor und hielt sie ihr hin.
— „Hier sind Sie im Museum, vor zwei Tagen. Und hier —“ er deutete auf ein weiteres Bild, „— im Hotel, in dem die Kette verschwand. Wir haben Sie bis hierher verfolgt.“
— „Warten Sie! Die Frau auf dem Foto hat ein Tattoo am Handgelenk. Sehen Sie!“ — rief sie und zeigte ihre Arme.
— „Ich habe kein Tattoo! Und ich bin hochschwanger! Diese Frau ist es eindeutig nicht!“
Der Mann ergriff ihr Handgelenk, seine Berührung eiskalt.
— „Sie könnten das Tattoo überschminkt haben. Und die Schwangerschaft? Vielleicht nur Tarnung.“
Instinktiv nahm Kayla seine Hand und legte sie auf ihren Bauch.
— „So etwas kann man nicht vortäuschen.“
Er zögerte.
— „Ich… es tut mir leid. Sie sehen ihr zum Verwechseln ähnlich. Ich war mir sicher.“
Kayla atmete erleichtert auf — doch der wahre Schock stand noch bevor.
Die Flugbegleiterin zog plötzlich eine Waffe.
— „Genug! Hände hinter den Rücken!“, schrie sie.
Kälte durchfuhr Kaylas Körper.
Die Frau warf dem Mann Kabelbinder zu.
— „Du hattest recht, mich zu verfolgen“, fauchte sie. „Aber du hast die falsche Frau erwischt.“
Ein goldener Schimmer um ihren Hals enttarnte sie — die gestohlene Kette.
Bei der Landung wartete die Polizei bereits am Gate. Die Flugbegleiterin wurde noch an Bord festgenommen. Der Mann — nun als Ermittler namens Connor bekannt — entschuldigte sich aufrichtig bei Kayla.
— „Wir jagen sie seit Monaten“, erklärte er.
„Sie ist ein Meister der Verkleidung. Wir bekamen den Hinweis, dass sie auf diesem Flug sein würde… und als ich Sie sah…“
Kayla lächelte müde.
— „Jetzt wissen Sie, dass ich es nicht war.“
— „Es tut mir wirklich leid“, sagte er.
Aber Kayla blieb nicht lange bei dem Gedanken.
Ein Gefühl der Erleichterung überkam sie, als sie durch die Ankunftshalle ging — und ihn sah: Colin.
Er wartete auf sie mit einem Strauß gelber Tulpen in der Hand. Sein Gesicht hellte sich auf, sobald er sie sah.
— „Willkommen zu Hause“, flüsterte er.
Kayla fiel ihm in die Arme. Endlich in Sicherheit.
Der Albtraum war vorbei.
Sie war zuhause.
Sie war in Frieden.
